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Werner bekommt nach zwei Stunden und 20 Zügen ein Remisangebot. Was tun? Rundblick auf die anderen Bretter, - es sieht gut aus. Mannschaftsleiter fragen, - er sagt: „Entscheide selbst!“ Nach zwei vorausgegangenen Niederlagen strotzt man nicht gerade vor Selbstvertrauen. Die Stellung ist auch nach beiderseits korrektem, auf Sicherheit bedachtem Spiel im absolutem Gleichgewicht, und schon eine Menge Material ist vom Brett. Außerdem mit Schwarz remis ist okay. Also Spielstand: ½:½
Michael hat mit Schwarz das etwas passive Philidor gewählt. Im 8. Zug weicht er von einer Hauptvariante ab, was zu heterogenen Rochaden führt. Kampf ist angesagt. Aber irgendwie kommt der Gegner zuerst zu Druckspiel, manövriert einen Springer bis f7 und droht den Druck zu verstärken. Michael gibt einen Bauern, kann aber das Eindringen der gegnerischen Türme auf die 7. Reihe nicht verhindern. Diese räumen nach und nach auf dieser Reihe die Bauern weg, indessen Michael auch fleißig weit verstreute gegnerische Bauern einsammelt. Letztlich geht aber der weiße a-Bauer unaufhaltsam vorwärts, und Michael gibt nach drei Stunden und 51 Zügen auf. Neuer Spielstand: ½:1½
James am Spitzenbrett muss sich mit des Gegners 1. Sc3 auseinandersetzen. Aber dessen Aufbau ist sehr harmlos, und James errichtet ein kompaktes Zentrum. Spannend wird es, als James den König in der Mitte lässt und am Königsflügel stürmt. Der mehr und mehr eingeschnürte Gegner opfert eine Qualität und erhält ein aktives Springerpaar mit einigen Drohungen. Objektiv zwar ungefährlich, aber das kostet Bedenkzeit. Einige ungenauere Züge von James und sein Vorteil wird geringer, da der Gegner noch einen Bauern abholt. Im 36. Zug erhält James mit 2 Minuten Restbedenkzeit ein Remisangebot. Was für Nerven hat der Mann! 10 Sekunden vor Blättchenfall nimmt er an! Neuer Spielstand: 1:2
Albrecht mit Weiß lenkt von der Botwinnik-Variante des Damengambits an einer ungünstigen Stelle in Katalanisch über. Das gibt dem Gegner die Gelegenheit, erst einmal scheinbar sicher den Gambitbauern auf b5 festzuhalten. Was macht man da? Alles gegen den gegnerischen Königsflügel! Der Gegner zeigt zunächst keine Nerven und kassiert noch einen Damenflügelbauern. Wenn Albrechts Angriff nicht durchschlägt, ist er mausetot. Im 19. Zug schlägt sein Springer auf h7 ein, um die h-Linie freizulegen. Ab hier wechseln laut nachträglicher Computeranalyse innerhalb der nächsten 10 Züge Gewinn- und Verluststellungen sich regelmäßig ab. Beide Spieler finden in der hoch komplizierten Lage nicht die zum Teil einzig richtigen Züge. Aber der Mut wird schließlich belohnt. Nach einem letzten falschen Königszug des Gegners ist ein 4-zügiges Matt drin. Respekt! Neuer Spielstand: 2:2
Gerhard spielt sein gewohnt sicheres 1.Sf3. Niemand kennt die sich ergebenden Stellungsbilder besser als er! Bereits in der Eröffnung gewinnt er einen Zentralbauern. Der geschockte Gegner verhält sich danach passiv und ängstlich, statt mit aktivem Gegenspiel den Bauern womöglich zurück zu erobern. Gerhard schnürt im Weiteren dessen Königsflügel ein, bringt sämtliche Figuren auf Idealplätze, dringt mit der Dame ein und krönt sein perfektes Spiel mit Damenopfer und anschließendem Turmmatt im 29. Zug. Gerhard ist eine Bank! 4 Partien – 4 Siege!!! Neuer Spielstand: 3:2
Klaus spielt gegen den Holländer seines Gegners eine Bauernopfer-Variante. Nach der Ablehnung ergibt sich ein ähnliches Bild wie bei Gerhard. Klaus drückt im Zentrum und am Königsflügel. Der Gegner lässt sich in der g-Linie einen Doppelbauern verpassen, um die Damen zu tauschen. Jetzt hat Klaus klare Angriffsziele. Zuerst bringt er einen gedeckten Freibauern nach f6; dann erobert er zwingend einen Damenflügelbauern. Aber der Gegner dringt mit Turm und Springer auch in Klaus’ Stellung ein. Er bietet Remis an. Klaus besieht sich den Spielstand und die beiden Restpartien und willigt ein. Schade, denn die Endstellung war objektiv klar gewonnen. Neuer Spielstand: 3½:2½
Lothar hat wieder eine neue Eröffnungsliebe: Skandinavisch! Er ist gut vorbereitet und erhält scheinbar mühelos eine gute Stellung mit Schwarz. Der Gegner bemüht sich nach Kräften zu vereinfachen und bietet um den 20. Zug herum Remis. Lothar, der vorbildliche Kämpfer, lehnt ohne groß nachzudenken ab, obgleich die Stellung schon ziemlich verflacht aussieht. Bei einer Zentrumsaktion patzt sein Gegner tatsächlich und büßt einen Bauern ein. Im weiteren Verlauf lässt Lothar aber den Tausch der Türme zu, statt seinen Springer im Zentrum zu befestigen. Dadurch schrumpft sein Vorteil im Endspiel Springer gegen Läufer mit Mehrbauer. Als er dann noch einen notwendigen Sicherungszug am Königsflügel verpasst, findet der Gegner eine trickreiche Remisabwicklung. Am Schluss haben beide im 58. Zug nur noch den blanken König! Neuer Spielstand: 4:3
Peter wird also mit der letzten laufenden Partie den Ausgang des Wettkampfes entscheiden. Sein Gegner hat ja während seiner Studienzeit auch schon für uns in erfolgreichen Oberligazeiten gespielt! Wiener Partie mit Weiß! bereits im 6. Zug weicht Peter von der Hauptvariante ab. Im 10. Zug bringt er trickreich ein Springerscheinopfer. Sein Gegner reagiert falsch. Statt des baldigen Rückgewinns des Bauern verbleibt er mit dem klaren Minusbauern und Peter baut seinen Vorteil allmählich aus. Aber dann findet der Gegner über die e-Linie doch noch zu aktivem Gegenspiel. Peter muss im Turmendspiel hohes Risiko gehen, um seine Gewinnchancen aufrecht zu erhalten. Zwischendurch sieht es sogar so aus, als käme er dabei noch in Gefahr. Aber jetzt weiß er, dass uns das Remis zum Gesamtsieg reicht, und so wickelt er entsprechend ab. Der Gegner hat schon seinen Freibauern zur Dame ungewandelt. Aber Peters Bauer braucht auch nur noch einen Zug bei Vorhandensein eines helfenden Turmes. Mehr als Dauerschach ist nicht drin für den Gegner, und das reicht für uns! Endstand: 4½:3½ Fazit: Der Sieg fiel zwar knapper aus als erwartet und als es die Zwischenstellungen erlaubt hätten, war aber im Prinzip zu keinem Zeitpunkt ernsthaft gefährdet. Tabellenführung ausgebaut, aber die großen Gegner kommen noch! |
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